» DGS als Wahlpflichtfach «

In Hamburg ist DGS ab dem Schuljahr 2017/18 Wahlpflichtfach. Die Idee dazu stammte von der GRÜNEN-Politikerin Dr. Stefanie von Berg. Im Interview erzählt sie, wie es mit dem Projekt vorangeht und was sie über das Bundesteilhabegesetz denkt.

Frau von Berg, Sie haben viel Gegenwind erfahren mit Ihrer Idee, warum profitieren Ihrer Meinung nach Gehörlose und Hörende vom Schulfach DGS?
Schule und Gesellschaft profitieren immer von Vielfalt und dem Miteinander. Das zeigen zahlreiche Berichte von Lehrkräften, die gemischte Klassen unterrichten. In diesem konkreten Fall profitieren Gehörlose im Rahmen schulischer Inklusion dahingehend, dass sie sich ihre Schule selbst aussuchen können und nicht auf einige wenige Angebote beschränkt sind. Langfristig werden Brücken gebaut zwischen den Gehörlosen und den Hörenden. Denn je mehr Menschen DGS beherrschen, umso einfacher ist es mit der Kommunikation. Hörende profitieren von einer anderen Kommunikationsform und lernen eine neue Sprache. Und wer weiß: Vielleicht brauchen Hörende in der fernen Zukunft keine Hörgeräte mehr, wenn sie alt und schwerhörig werden.

Was ist seit der Verabschiedung passiert?
Eine Expertenkommission entwickelt momentan Bildungspläne – und ich freue mich, dass ich bei der Bildung des Netzwerkes, die der Kommission vorausging, helfen konnte. Die Kommission setzt sich zusammen aus Experten der Fachbereiche Inklusion und Sonderpädagogik, davon sind viele in Schulen und der Universität tätig. Bis zum Sommer werden die Anforderungen und Inhalte der Rahmenpläne erarbeitet.

In einem Schuljahr geht es los. Vor welchen Herausforderungen stehen Sie derzeit?
Im Anschluss an die Rahmenpläne, erarbeitet die Kommission die einzelnen Kapitel wie zum Beispiel Grundsätze zur Didaktik oder zur Leistungsrückmeldung und -bewertung. Ziel ist es, diese Arbeit bis Ende des Jahres zu leisten. Dann soll ein erster Entwurf vorgelegt werden. Dieser Zeitplan ist straff, wir sind aber zuversichtlich. Langfristig würde ich mir wünschen, dass DGS als Prüfungsfach für das Abitur anerkannt wird – aber das ist noch ein sehr dickes Brett.

Das wäre natürlich toll, hängt aber auch vom Interesse der Schulen ab. Wie viele werden das Schulfach überhaupt einführen?
Das wissen wir noch nicht. Die interessierten Schulen melden bei der Behörde für Schule und Berufsbildung an. Start soll zum Schuljahr 2017/18 sein. Es geht nun doch etwas langsamer als gehofft – aber es geht voran! Und ich bin mir sicher, dass mehr Schulen aufspringen werden, wenn erst einmal die größten Hürden genommen wurden. Viele haben momentan noch Respekt vor dem hohen Aufwand.

Welche Erwartungen haben Sie das neue Fach?
Meine Erwartung ist zunächst die sorgfältige Vorbereitung. Rahmenpläne und Curricula sowie Lehrerbildung müssen gut organisiert sein und Standards entsprechen, damit der Unterricht gelingen kann, die Wirkung lange anhält und wirklich alle profitieren. Und dann bin ich sicher, dass sich DGS ausbreiten wird – denn immer mehr Kinder und Jugendliche werden sich wünschen, diese wunderbare Sprache lernen zu dürfen.

Noch ein anderes Thema zum Schluss, wie zufrieden sind Sie mit dem Bundesteilhabegesetz?
Wir, die GRÜNEN, sind mit diesem Gesetz sehr unzufrieden. Grundsätzliche Kritik haben wir am Fürsorgegedanken, der dem Gesetz zu Grunde liegt. Daher formulieren wir immer wieder die Forderung nach einem Teilhaberecht. Auch dass Betroffene behinderungsbedingte Hilfen vorrangig mit ihrem Einkommen und Vermögen zahlen müssen, würden wir gerne ändern. Denn das ist ungerecht.

 

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